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Inspiration

Hey Leute!

Heute hab ich ein inspirierendes Gedicht für euch... na ja, zumindest hat es mich sehr inspiriert. Es ist „Einmal schrieb er ein Gedicht“ aus dem Buch „Vielleicht lieber morgen“ von Stephen Chbosky.

Inspirationen sind so eine Sache. Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. Für einen Schreiberling ist es immer wichtig inspiriert zu sein. Deshalb hab ich ein paar Tricks sich Inspiration zu verschaffen: Radio hören, schöne Filme schauen (manchmal ist man mit deren Handlungen nicht ganz zufrieden, und versucht, seinen eigenen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen) oder auch die Nachrichten hören und sehen – dabei meine ich Geschichten, wie die von dem Mädchen, das dank Bruno Mars´ Liedern aus dem Koma erwacht ist, vielleicht habt ihr ja davon gehört.

Wenn noch jemand andere Inspirationsquellen hat: immer her damit.

Hat mich wie immer gefreut, Jessy

 

Einmal schrieb er ein Gedicht

                auf ein gelbes Blatt mit grünen Linien

Er nannte es „Chops“

                weil das der Name seines Hundes war

Und genau darum ging es

Und sein Lehrer gab ihm eine Eins

                mit goldenem Sternchen

Und seine Mutter hängte es an die Küchentür

                und las es seinen Tanten vor

Das war das Jahr, als Pfarrer Tracy

                alle Kinder in den Zoo mitnahm

Und im Bus ließ er sie singen

Und seine kleine Schwester kam zur Welt

                mit winzigen Zehen und ganz ohne Haar

Und seine Eltern küssten sich oft

Und das Mädchen um die Ecke schenkte ihm eine

                Valentinskarte mit ganz vielen X

                und er fragte seinen Vater, was das bedeutete

Und sein Vater brachte ihn abends immer zu Bett

Und war immer für ihn da

 

Einmal schrieb er ein Gedicht

                auf ein weißes Blatt mit blauen Linien

Er nannte es „Herbst“

                weil es der Name der Jahreszeit war

Und genau darum ging es

Und sein Lehrer gab ihm eine Eins

                und bat ihn, etwas leserlicher zu schreiben

Und seine Mutter hängte es nicht an die Küchentür

                wegen der neuen Farbe

Und die Kinder erzählten ihm

                dass Pfarrer Tracy Zigaretten rauchte

Und Stummel auf den Kirchenbänken ließ

Und manchmal brannten sie Löcher hinein

Das war das Jahr, als seine Schwester eine Brille bekam

                mit dicken Gläsern und schwarzen Bügeln

Und das Mädchen um die Ecke lachte

                als er mit ihr den Weihnachtsmann sehen wollte

Und die Kinder erklärten ihm, wieso

                sich seine Eltern so oft küssten

Und sein Vater brachte ihn abends nicht mehr zu Bett

Und sein Vater wurde wütend

                als er deshalb weinte.

 

Einmal schrieb er ein Gedicht

                auf einem Zettel aus einem Block

Er nannte es: „Unschuld: Eine Frage“

                weil das bei seinem Mädchen die Frage war

Und genau darum ging es

Und sein Professor gab ihm eine Eins

                und sah ihn lang und seltsam an

Und seine Mutter hängte es nie an die Küchentür

                weil er es ihr nie zeigte

Das war das Jahr, als Pfarrer Tracy starb

Und er vergaß, wie das Ende

                des Glaubensbekenntnisses ging

Und er erwischte seine Schwester

                wie sie auf der Veranda rummachte

Und seine Eltern küssten sich nie

                oder redeten auch nur

Und das Mädchen um die Ecke

                trug so viel Make-up

Dass er kaum Luft bekam beim Küssen

aber er küsste sie trotzdem

                weil man das so tat

Und um drei Uhr morgens ging er zu Bett

                während sein Vater lauthals schnarchte

 

Deshalb versuchte er, auf einer Papiertüte

                ein weiteres Gedicht zu schreiben

Und er nannte es „Absolut gar nichts“

Denn genau darum ging es doch

Und er gab sich selbst eine Eins

                und einen Schnitt in jedes verdammte Handgelenk

Und hängte es an die Badezimmertür

                weil er diesmal nicht glaubte

                dass er die Küche noch erreichen würde.

2.7.14 20:00

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


stille / Website (2.7.14 20:26)
Hey, hey, Jessy

Ich bin auf dein Gedicht gestoßen und kann dir sagen, ich finde es wirklich schön. Ist mal was Anderes und das empfinde ich als ausgesprochen erfrischend. Auch der sich wiederholende Aufbau gefällt mir. Du stellst sehr gut die Veränderungen im Leben des Protagonisten dar.

Den einzigen "Kritikpunkt", den ich habe (und der ist vermutlich auch sehr subjektiv) und das "verdammte" Handgelenk. Das "Verdammt" würde ich weglassen, passt nicht so recht dahin, finde ich. Ohne klingt es härter und trifft den Leser damit überraschender. Aber das kann, wie gesagt, auch nur mir so gehen.

Weiterhin viel Spaß beim Schreiben!
LG
Stille

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